Aktuelle Informationen über die Aktivitäten der Alfred Landecker Foundation


Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr, seitdem wir die Alfred Landecker Stiftung vor einigen Monaten gegründet haben, sind bei uns viele Förder- und Kooperationsanfragen eingegangen. Wir danken Ihnen für Ihr Interesse an der Mission der Stiftung und an unseren geplanten Aktivitäten.

Gleichzeitig möchten wir Sie um Ihr Verständnis bitten, dass wir erst am Anfang unseres langfristigen Engagements stehen, die Alfred Landecker Stiftung als Organisation mit hoher Wirkung aufzubauen. Obwohl wir noch nicht so weit sind, mögliche Partnerschaften zu prüfen und potentielle Zuwendungen auszusprechen, möchte ich Ihnen einen aktuellen Überblick darüber geben, welche Arbeit wir hinter den Kulissen leisten, damit dies geschehen kann.

Aufbau eines Teams
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An erster Stelle benötigen wir exzellente Menschen, die für unsere Mission einstehen und sich um das Tagesgeschäft kümmern. Derzeit befinden wir uns im Aufbau eines Teams - angefangen mit einer/einem geschäftsführenden Stiftungsdirektor/in und einer/einem Leiter/in der Stiftungsverwaltung. Diese beiden Positionen haben wir im September international ausgeschrieben. Zu unserer Freude sind wir auf großes Interesse gestoßen. Wir hoffen, dass wir die beiden Positionen im ersten Quartal 2020 besetzen können. Damit werden wir dann in absehbarer Zeit operativ arbeitsfähig sein.
Humanitäre Hilfe
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Die Familie Reimann hat sich dazu verpflichtet, einen Betrag von 10 Millionen Euro für humanitäre Hilfen bereitzustellen, die sowohl ehemaligen Zwangsarbeiterinnen als auch Zwangsarbeitern bei Benckiser, als auch Überlebenden des Holocaust zu Gute kommen werden. Dies resultiert zum einen aus den Erkenntnissen über die Zwangsarbeit bei Benckiser und zum anderen daher, dass Albert Reimann jr. und sein Vater überzeugte Anhänger der NSDAP waren. Ihre Weltanschauung und ihre Haltung waren tief in den antisemitischen und totalitären Überzeugungen des Nationalsozialismus verwurzelt.
Ehemalige zwangsarbeiterinnen und zwangsarbeiter bei Benckiser
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Wir versuchen derzeit, uns mit möglichst vielen der noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bei Benckiser in Verbindung zu setzen, um sie zu unterstützen. Wir haben dafür fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ebenso möchten wir ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bitten, uns dabei zu helfen, die Bedingungen und Umstände ihrer Zwangsarbeit bei Benckiser zu dokumentieren und so zur vollständigen und genauen Darstellung der Geschehnisse beizutragen. Zusätzlich zu den Untersuchungen von Professor Erker, der als unabhängiger Historiker den Auftrag hat, die Geschichte von Benckiser im Zweiten Weltkrieg aufzuarbeiten, haben wir eine Forscherin beauftragt, noch möglichst viele ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bei Benckiser zu ermitteln und zu kontaktieren. Wir wissen aus den Recherchen von Professor Erker, dass durchschnittlich nie mehr als 200 Menschen gleichzeitig bei Benckiser Zwangsarbeit leisten mussten. Sie stammten aus verschiedenen Nationen und machten unterschiedliche Erfahrungen: manche wurden mehr als drei Jahre eingesetzt, andere nur wenige Tage. Bis heute haben wir bereits 838 Namen von ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern identifiziert, die im Zweiten Weltkrieg bei Benckiser waren. Soweit wir heute wissen, war niemand von ihnen jüdischen Glaubens oder wurde aus Konzentrationslagern zu Benckiser geschickt. Die Familie Reimann hat sich verpflichtet, jeder ehemaligen Zwangsarbeiterin und jedem ehemaligen Zwangsarbeiter bei Benckiser eine finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Sollte die betreffende Person inzwischen verstorben sein, werden wir dafür sorgen, dass diese Unterstützung an ihre direkten Nachkommen vergeben wird. Alle Leistungen werden unabhängig von der Unterstützung erfolgen, die ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bei Benckiser möglicherweise bereits aus der gemeinsamen Entschädigungsinitiative der deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung erhielten. Diese ging mit der Bitte des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau am 17. Dezember 1999 um Vergebung an die Millionen Opfer der Nazi-Zwangs- und Sklavenarbeit einher. Diese Initiative, an der sich das Familienunternehmen Benckiser beteiligte, wurde speziell zur Entschädigung von Opfern von Zwangsarbeit- und Sklavenarbeit ins Leben gerufen.
Überlebende Des Holocaust
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Um Überlebende des Holocaust zu unterstützen, sind wir eine Partnerschaft mit der Conference on Jewish Material Claims Against Germany (Claims Conference) eingegangen. Wir haben vereinbart, fünf der insgesamt zehn Millionen Euro bereitzustellen, um innerhalb von drei Jahren finanzielle Soforthilfe für Holocaust-Überlebende zu leisten, die diese dringend benötigen. Das Programm wird von der Claims Conference mit ihrem Netzwerk an Partnerorganisationen im Jahr 2020 beginnen. Die Organisation ist weltweit aktiv und hat Erfahrungen darin, Überlebende des Holocaust in ihren täglichen Bedürfnissen zu unterstützen. Heute gibt es schätzungsweise noch 400.000 Überlebende, viele von ihnen leben in sehr schwierigen Verhältnissen. Wir sind der Claims Conference sehr verbunden, dass sie sich bereit erklärt hat, dieses Programm kostenfrei durchzuführen. Wir bitten alle Holocaust-Überlebenden, die uns bisher kontaktiert haben, sich direkt mit der Claims Conference in Verbindung zu setzen. Sie wird sich dann wiederum mit ihren lokalen Organisationen vernetzen, damit diese Hilfestellung leisten.
Die arbeit der stiftung
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Über den 10-Millionen-Euro-Fonds hinaus, der Überlebenden des Holocaust und Opfern von Zwangsarbeit bei Benckiser zu Gute kommen soll, stellt die Familie Reimann der Alfred Landecker Stiftung jährlich 25 Millionen Euro für deren programmatische Arbeit zur Verfügung. Mit diesem nachhaltigen finanziellen Engagement sind wir nun dabei, grundlegende Kriterien für unsere Programme und Partnerschaften zu entwickeln, die auf dem Gründungsauftrag der Stiftung aufbauen.


Unser Handeln wird auf den folgenden Stiftungsgrundsätzen beruhen


1. Wir besinnen uns auf unsere Wurzeln: das Leben von Alfred Landecker als deutscher Jude und dessen Ermordung 1942 durch Deutsche.

Dies ist der Ausgangspunkt für alles was wir tun werden. Darum verpflichten wir uns, insbesondere in Deutschland gegen Antisemitismus zu kämpfen, uns der Holocaust-Leugnung entgegen zu stellen und die Erinnerung an die Geschichte der nationalsozialistischen Verbrechen wach zu halten.


2. Wir werden wirkungsorientiert sein, indem unsere Aktivitäten die Demokratie in westlichen Gesellschaften durch Einbezug der Methoden der Verhaltensforschung stärkt.

Wir wollen fundamentale Einstellungen messen, um besser die Treiber für den Rückgang liberaler Werte, den Aufstieg des populistischen Nationalismus und die Untergrabung der institutionellen Stabilität und der Gewaltenteilung zu verstehen. Wir sehen die Umkehr dieser Trends als ein wesentliches Ziel unserer Arbeit. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Einstellungen und Trends der Millennials und der Generation Z.


3. Wir werden ein akademisches Netzwerk aufbauen, das die Kernaspekte des Schutzes von ethnischen, religiösen und kulturellen Minderheiten in einer Zeit des populistischen Nationalismus behandelt.

Unser Programm wird auf den Erkenntnissen aus dem Zusammenbruch der Europäischen Gesellschaft in den 1930er Jahren aufbauen: die Entstehung und Verbreitung autoritärer und diktatorischer Regime, dem Rückgang des Schutzes der Minderheitenrechte durch den Völkerbund, den anschließenden Weltkrieg, in dessen Schatten der Holocaust, das ultimative Verbrechen gegen die Menschheit mit dem Ziel, alle Juden überall zu ermorden, begangen wurde. Wir glauben, dass im Kontext des zunehmenden populistischen Majoritarismus dem Minderheitenschutz als einem der relevantesten Themen für die westlichen Gesellschaften besondere Bedeutung zukommt.


Ein Ausblick auf das, was kommt

Wir werden Projektzuschüsse in den Bereichen Bücher und Dokumentation, Ausstellungen und Filme oder wissenschaftliche Forschung nur dann berücksichtigen, wenn sie Teil umfassenderer Initiativen sind, in die die Alfred Landecker Foundation eingebunden ist. Das bedeutet auch, dass wir einige der bisher eingegangenen Vorschläge, einschließlich derjenigen für Infrastrukturprojekte, leider nicht unterstützen können. Sobald unser Team seine Tätigkeiten aufgenommen hat, freuen wir uns sehr darauf, Partnerschaften und mögliche Zuwendungen zu prüfen, die mit unseren Stiftungsgrundsätzen und Richtlinien übereinstimmen.

In der Zwischenzeit möchte ich Sie bitten, für weitere Informationen über die Arbeit der Alfred Landecker Stiftung unsere Website zu besuchen.

Mit freundlichen Grüßen,
David Kamenetzky

Vorsitzender des Stiftungsrates
Alfred Landecker Foundation

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