Corona-notfallhilfe: Alfred Landecker Foundation spendet 1.000.000 euro an Holocaust-überlebende


Die Alfred Landecker Foundation spendet 1.000.000 Euro als Notfallhilfe für Holocaust-Überlebende in Deutschland und Israel – die betagten Opfer sind durch die Corona-Krise besonders stark gefährdet.

Weltweit gibt es heute noch ungefähr 400.000 jüdische Überlebende des Holocaust. Sie gilt es in der aktuellen Corona-Krise besonders zu schützen: Deshalb stellt die Alfred Landecker Foundation 1.000.000 Euro zur sofortigen Notfallhilfe für diese besonders gefährdeten Menschen zur Verfügung.

Ausgangssperren, Kontaktverbote, die potenzielle Ansteckung mit dem Virus – die globale Ausbreitung der Corona-Pandemie hat weitreichende Folgen für uns alle. Doch besonders betroffen von der aktuellen Krise ist eine Gruppe, die das höchste Risiko im Falle einer Ansteckung trägt: Menschen jenseits der 70, die mit Vorerkrankungen belastet sind. In extremem Maße gilt dies für Holocaust-Überlebende, die bis heute an den körperlichen und seelischen Folgen ihrer Verfolgung leiden. Die soziale Isolation, die nun zur Vermeidung einer Corona-Ansteckung zwingend notwendig ist, verschlimmert die Lage der Überlebenden weiter. Sie haben keine Möglichkeiten mehr, an therapeutischen Sitzungen teilzunehmen oder andere Überlebende zu treffen. Zudem finden sich nun ausgerechnet jene Menschen, die jahrelang in Konzentrationslagern eingesperrt waren, in Isolation und Quarantäne wieder. Eine Erfahrung, die traumatische Erinnerungen wiederauferstehen lassen könnte.

Zudem finden sich nun ausgerechnet jene Menschen, die sich in Konzentrationslagern zusammengeschlossen waren, in Isolation und Quarantäne wieder. Eine Erfahrung, die traumatischen Erinnerungen wiederauferstehen lassen lassen werden.

Aus diesem Grund hat sich die Alfred Landecker Foundation entschieden, insgesamt 1.000.000 Euro für Organisationen zu spenden, die sich um die persönlichen Belange der Holocaust-Überlebenden kümmern. Der kurzfristig eingerichtete Notfallhilfefonds steht ab sofort zur Verfügung. Erste Spenden erhielten die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), AMCHA in Israel, Jewish Care in England und die UJA Federation New York, wo heute noch 40.000 Überlebende wohnen. „Gerade in diesen schweren Zeiten gilt unsere besondere Verantwortung den Überlebenden des Holocaust“, sagt Andreas Eberhardt, Geschäftsführer der Alfred Landecker Foundation. „Wir dürfen nicht vergessen, den traumatisierten Menschen zu helfen, nur weil nun auch viele von uns mit den Anpassungen an diese Ausnahmesituation beschäftigt sind“, so Eberhardt weiter. Es werde auch geprüft, weitere Organisationen zu unterstützen. Bereits im Dezember wurde in Partnerschaft mit der Claims Conference ein Hilfsfonds für Holocaustüberlebende in Höhe von fünf Millionen Euro eingerichtet.

Dr Andreas Eberhardt, CEO of Alfred Landecker Foundation

Die neu gegründete Stiftung der Unternehmerfamilie Reimann hat sich zum Ziel gesetzt, die noch lebenden Zwangsarbeiter der Firma sowie jüdische Opfer des Nationalsozialismus zu unterstützen und Projekte zu finanzieren, die demokratischen Strukturen gegen Angriffe von innen und außen verteidigen.

Zur dringend notwendigen Hilfe für die Holocaust-Überlebenden erklärt Andreas Eberhardt: „Wir wissen, dass die Betroffenen in einer Krisenlage wie dieser mehr Betreuung brauchen. Außerdem bedarf es neuer Kommunikationsmittel, damit die Helfer weiter in Kontakt mit den Überlebenden bleiben können. All das wollen wir mit unserer Spende schnell und unkompliziert ermöglichen.“

Benötigt würden Computer, Handys und Software. Außerdem sollen mit der Spende Lebensmittel und Medikamente für die Überlebenden gekauft werden. „Vielleicht können wir mit unserer Spende ja sogar andere Unterstützer motivieren, ebenfalls zu helfen“, fügte Eberhardt hinzu.

„Therapeuten sind oft die einzigen Bezugspersonen vieler schwer traumatisierter Überlebender, die häufig allein leben und gerade jetzt Ängste haben“, so Lukas Welz, Vorsitzender von AMCHA Deutschland. „Daher arbeiten wir mit Hochdruck daran, Kommunikationswege zu Überlebenden aufrechtzuhalten und neue Wege der telefonischen und online-basierten Seelsorge, Therapie und Unterstützung auf Distanz auszuprobieren.“ Um diese Umstellung bewältigen zu können, brauche AMCHA jetzt zusätzliche Hilfe. „Wir danken der Alfred Landecker Foundation für die Initiative, den Überlebende der Shoah in dieser Krisenlage schnell zu helfen.“

Aron Schuster, Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), betont: „Viele hochbetagte Überlebende der Shoah konnten sich bislang auf unsere sozialen Angebote stützen, um der Vereinsamung zu entgehen. Gerade in dieser Krise müssen wir die besonders gefährdete Gruppe weitestgehend isolieren. Um so mehr sind wir verpflichtet, diese Menschen in ihren existenziellen und seelischen Nöten zu unterstützen und ihnen so gut wie möglich zur Seite zu stehen.“ Diese neue Situation verlange allen Betroffenen und den Helfern viel Kraft, Disziplin und Kreativität ab. „Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht. Die nächsten Wochen und Monate sind wir alle aufgefordert unseren Beitrag für ein solidarisches Miteinander zu leisten.“


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