Die Geschichte der Alfred Landecker Foundation


Die Alfred Landecker Foundation wurde von der Familie Reimann ins Leben gerufen. 2016 hatte sie den Wirtschaftshistoriker Professor Paul Erker von der Ludwig-Maximilians-Universität München damit beauftragt, die Geschichte des Familienunternehmens Johannes A. Benckiser GmbH, dem Vorgängerunternehmen der heutigen JAB Holding Company, zu erforschen. Im Zentrum sollte die politische Verstrickung der Firmenleitung von Benckiser während der NS-Zeit stehen.

Die Werkshalle des Chemieunternehmens Johann A. Benckiser GmbH in Ludwigshafen

Zwangsarbeit bei Benckiser

Ein vorläufiger Bericht von Professor Erker förderte zutage, dass Albert Reimann jun. und Albert Reimann sen. überzeugte Unterstützer des NS-Regimes waren. Sie besuchten bereits in den 1920ern Veranstaltungen mit Adolf Hitler und spendeten später Geld an die Waffen-SS. Früh erklärten sie ihr Unternehmen zum nationalsozialistischen Musterbetrieb. Während des Zweiten Weltkriegs setzten sie in ihren Werken Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein. Wir wissen aus den Recherchen von Professor Erker, dass durchschnittlich etwa 200 Menschen gleichzeitig bei Benckiser Zwangsarbeit leisten mussten.

Weil die Familie Reimann mehr über die Identität und die Leidensgeschichten der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bei Benckiser erfahren wollten, wurde dazu eine eigene Recherche beauftragt. Bisher konnten 838 Namen von ehemaligen Benckiser-Zwangsarbeitern ermittelt werden. Die Alfred Landecker Foundation wird sie, oder – sollten sie verstorben sein – ihre direkten Angehörigen, finanziell unterstützen.

Der Sitz der Geschäftsleitung von Johann A. Benckiser in Ludgwigshafen

Sich der Verantwortung stellen

Aber die Familie Reimann wollte es nicht dabei belassen, lediglich die eigene Vergangenheit zu ergründen. Den Firmenerben ist es ein Anliegen, noch lebende Opfer des Holocaust zu unterstützen und, als Lehre aus der Geschichte für die Gegenwart, Demokratie und Menschenrechte zu fördern und zum Erhalt und der Stärkung einer pluralistischen Gesellschaft beizutragen.

Deshalb wurde die „Benckiser Stiftung Zukunft“ in die Alfred Landecker Foundation umgewandelt. Die Familie Reimann möchte die Lehren aus dem Zusammenbruch der europäischen Zivilisation während des Nationalsozialismus in aktives Engagement im Hier und Jetzt übersetzen. Sie stellt für Projekte der Stiftung im In- und Ausland, die den Holocaust erforschen, Antisemitismus bekämpfen, Minderheitenrechte schützen, sozialen Zusammenhalt und unser demokratisches Miteinander stärken, in den kommenden zehn Jahren 250 Millionen Euro zur Verfügung.

Unterstützung für Holocaust-Überlebende und ehemalige Zwangsarbeiter

Die Alfred Landecker Foundation unterstützt Überlebende des Holocaust und ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bei Benckiser aus den Mitteln einer Spende der Familie Reimann in Höhe von 10 Millionen Euro. Fünf Millionen Euro davon wurden bereits der „Conference on Jewish Claims Against Germany“ zur Verfügung gestellt, die sich um die unmittelbaren Bedürfnisse von Holocaust-Überlebenden kümmert.

Corona-Nothilfefonds für Holocaust-Überlebende

Die Stiftung hat aus Mitteln der Spende einen Corona-Notfallhilfefonds in Höhe von 1.2 Millionen Euro für Holocaust-Überlebende eingerichtet.

Sie sind nicht nur wegen ihres hohen Alters besonders gefährdet. Die notwendige Isolation, die die Überlebenden vor einer Ansteckung schützt, kann traumatische Erinnerungen an die Zeit in den Lagern oder im Versteck wecken. Darum war es der Stiftung und der Stifterfamilie besonders wichtig, die Überlebenden in dieser Krisensituation nicht alleine zu lassen und durch schnelle Soforthilfe zu unterstützen.

Unsere Themen

Antisemitismus bekämpfen

Demokratie stärken

Minderheiten schützen

Debatten entpolarisieren

Sich der Vergangenheit stellen

Auf Twitter teilen
Twitter
Auf Facebook teilen
Facebook
Per E-Mail teilen
Share-mail
Link kopieren
Link kopiert
Copy link
Warum es uns gibt
back arrow