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UNSERE GESCHICHTE UND DIE GESCHICHTE VON ALFRED LANDECKER

Alfred Landecker

Alfred Landecker

Alfred Landecker, nach dem die Stiftung benannt ist, war ein deutsch-jüdischer Buchhalter, geboren 1884. Im April 1942 wurde er von Mannheim nach Izbica deportiert, einem Ghetto, das als Durchgangsstation für die Deportation von Juden in die Vernichtungslager Bełżec und Sobibór diente. Wahrscheinlich wurde er kurz darauf ermordet.

Die Geschichte von Alfred Landecker war Bestandteil von historischen Forschungen, die von der Familie Reimann bereits 2006 initiiert wurden. Dies führte 2016 zur Beauftragung des unabhängigen Historikers Dr. Paul Erker von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Familie bat Professor Erker, ihre politische Geschichte und die des Unternehmens Benckiser von Anfang der 1920er Jahre bis 1945 wissenschaftlich zu erforschen.

Professor Erker stellte fest, dass Albert Reimann sen. und sein Sohn Albert Reimann jun., die Benckiser, das Vorgängerunternehmen der JAB-Holding leiteten, Antisemiten und glühende Anhänger von Adolf Hitler und dem NS-Regime waren. Sowohl Vater als auch Sohn nahmen in den 1920er Jahren an Veranstaltungen mit Hitler teil und schlossen sich später der NSDAP an, ebenso spendeten sie an die SS.

Alfred Landeckers Schicksal ist untrennbar mit der Familie Reimann verbunden. Er war der Vater von Emilie Landecker, die mit Albert Reimann jun. drei Kinder hatte. Zwei dieser Kinder sind heute Gesellschafter der JAB-Holding.

Benckiser war eine im 19. Jahrhundert gegründete Firma, die sich ursprünglich auf Industriechemikalien spezialisierte. In den 1850er Jahren ging das Unternehmen in die Hände der Familie Reimann über.

Alte Synagoge, Mannheim

Alte Synagoge, Mannheim

In den 1930er und 1940er Jahren war Benckiser ein kleines mittelständisches Unternehmen. 1933 lag die Zahl der Mitarbeiter bei 181, während des Zweiten Weltkriegs waren es zwischen 400 und 650 Beschäftigte. Das Unternehmen war ein wichtiger Zulieferer der Lebensmittelindustrie. Zu den Hauptprodukten gehörten Schmelzkäse, Blutbehandlungssalze, Nahrungsergänzungsmittel für Säuglinge und Wasserenthärter.

Benckiser war ein Nutznießer des NS-Systems, erzielte aber keine Gewinne durch massenhafte Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Auch stand die Geschäftsentwicklung nicht im Zusammenhang mit der Ausbeutung von Unternehmen in den damals besetzten Ländern. Es gab keine privaten Bereicherungen oder illegalen Gewinne an jüdischem Eigentum oder Vermögen.

Während des Krieges setzte Benckiser jedoch Zwangsarbeiter in seinen Werken ein: Im Frühjahr 1942 beschäftigte das Werk in Ludwigshafen rund 200 Zivilisten verschiedener Nationalitäten als Zwangsarbeiter, darunter Ukrainer, Franzosen, Italiener und Niederländer.

Die hier dargestellten Informationen über Alfred Landecker und das Unternehmen Benckiser basieren auf einem Zwischenbericht von Professor Erker, der im Januar 2019 der Familie Reimann vorgelegt wurde. Um den strengen wissenschaftlichen Anforderungen seiner Forschungen gerecht zu werden, kann der Abschlussbericht von Dr. Erker frühestens 2020 erscheinen.