Zur Eröffnung begrüßten unter anderem Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, Prof. Dr. Hans-Jörg Czech von der Stiftung Historische Museen Hamburg, Martin Fielker (Maersk North Europe Continent), Dr. Andreas Kahrs (what matters gGmbH) und Silke Mülherr, Co-CEO der Alfred Landecker Foundation die Gäste.
Die Ausstellung zeigt am Beispiel des Fußballs, wie Sport im Nationalsozialismus für Propaganda, Ausgrenzung und die Durchsetzung ideologischer Ziele genutzt wurde und wie diese Geschichte bis heute nachwirkt. Sie lädt dazu ein, durch die Perspektive des Sports über Erinnerung, Verantwortung und den Umgang mit Antisemitismus in der Gegenwart nachzudenken.
Zur Ausstellungseröffnung hielt Silke Mülherr folgendes Grußwort:
Sehr geehrter Herr Senator Dr. Brosda,
sehr geehrter Herr Professor Czech,
sehr geehrter Herr Fielker,
sehr geehrte Frau Dr. Springmann,
liebe Bella,
lieber Andreas, lieber Daniel,
liebe Gäste heute Nachmittag.
Sport verbindet. Er begeistert Menschen, schafft Gemeinschaft und gibt vielen von uns das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Allemal, wenn eine WM vor der Tür steht.
Aber Sport ist nie nur das, was auf dem Platz geschieht.
Die Ausstellung „SPORT. MASSE. MACHT.“ zeigt eindringlich, wie der Nationalsozialismus den Sport für Propaganda, Disziplinierung und Ausgrenzung missbrauchte.
Sie zeigt aber auch, dass Vereine und Verbände nicht bloß passive Zuschauer waren. Viele schlossen jüdische Sportlerinnen und Sportler schon aus, noch bevor es der so genannte Arierparagraph von ihnen verlangte.
Wie schmerzhaft das war für die Betroffenen, zeigt die Geschichte von Walter Wächter, dessen Sohn Torkel heute hier ist. Er spielte als Jugendlicher hier in Hamburg beim HSV. Schon vor der Machtübernahme erlebte er Antisemitismus im Verein und trat 1929 selbst aus. Nicht weil er wollte, sondern weil er sich gezwungen sah.
Walter Wächters Erfahrung lehrt uns: Ausgrenzung beginnt nicht erst mit Gesetzen. Sie beginnt im Alltag. Sie geht von Menschen aus, die wir kennen. Und von Entscheidungen, gegen die sich niemand auflehnt.
Genau deshalb ist diese Ausstellung so wichtig. Sie beschäftigt sich zwar mit Vergangenheit – aber im Kern steht Verantwortung in der Gegenwart.
Wenn bei der anstehenden WM Millionen Menschen den Fußball feiern, sollten wir uns zurecht auf Tore und große Emotionen freuen.
Und uns bei all dem Jubel trotzdem auch fragen: Wer kann und wer darf sich heute selbstverständlich als Teil dieser Gemeinschaft fühlen? Und wer erlebt Ausgrenzung, zum Beispiel in Form von Antisemitismus?
Judenhass ist nicht mit dem Ende des Nationalsozialismus verschwunden. Er war de facto nie weg.
Es liegt an uns allen, insbesondere an den „Nicht-Betroffenen“, wie viel Raum wir der Ausgrenzung erlauben – beim Public Viewing, auf den Rängen im Stadion, in der Kabine oder dem Sportplatz.
Wir, die Alfred Landecker Foundation, fördern diese Ausstellung, auch weil sie die Erinnerung an den Holocaust außerhalb klassischer Gedenkorte oder dem Schulunterricht thematisiert. Und sich an Menschen wendet, die eines gemeinsam haben: das Interesse am Fußball. Unabhängig ihres Alters, ihrer Herkunft oder ihrer Bildung. Fußball kann verbinden. Aber auch missbraucht werden, um zu trennen.
Der Namensgeber unserer Stiftung war Alfred Landecker. Kein bekannter Fußballer, Philosoph oder Politiker. Sondern ein gewöhnlicher Mensch. Er war Buchhalter, Vater, Kollege und Teil einer Gemeinschaft – bis andere entschieden, dass er nicht mehr dazugehören sollte, weil er Jude war. Und sie ihn schließlich deswegen ermordeten. Aus seinem Schicksal leitet sich unser Auftrag ab: an die Shoah zu erinnern, Antisemitismus zu bekämpfen und demokratische Institutionen zu stärken.
Diese Ausstellung macht deutlich, dass Erinnerung keine abgeschlossene Aufgabe ist. Sie stellt uns eine Frage, die jeder von uns früher oder später einmal im Alltag beantworten muss: Was tun wir, wenn wir sehen, dass Menschen ausgegrenzt werden? Wegschauen, uns ohnmächtig fühlen - oder wenigstens hinsehen, bestenfalls widersprechen oder Hilfe holen.
Es ist nicht Aufgabe von Jüdinnen und Juden, sich gegen Antisemitismus zur Wehr zu setzen. Es fällt in den Zuständigkeitsbereich der Mehrheitsgesellschaft, einzuschreiten, dagegen vorzugehen. Es kann nicht sein, dass wir von den Betroffenen auch noch erwarten, dass sie das Problem lösen.
Ich wünsche mir, dass wir alle mit neuen Erkenntnissen oder neuer Entschlossenheit in Bezug auf diese Frage aus der Ausstellung hinaus gehen.
Denn Zugehörigkeit entsteht nicht von selbst. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen. Auch, und vielleicht gerade dann, wenn es unangenehm ist oder Mut kostet.
Was auf dem Platz geschieht, bleibt nicht auf dem Platz.
Es überträgt sich von dort auf Schulhöfe, ins Büro, in die U-Bahn. Und weil uns hier das allen klar ist, wünsche ich mir, dass wir offen bleiben füreinander. Uns interessieren, selbst wenn wir nicht persönlich betroffen sind oder furchtbar beschäftigt.
Denn das ist die eine Kontinuität aus der Geschichte – mit dem Hass auf Juden fängt es meist nur an, aber dort hört es nie auf. Also stoppen wir ihn am Besten schon da.
Unser besonderer Dank gilt dem Team von what matters – Andreas, Daniel, Julian, Nora, Annika und Kim sowie dem Team des Sportmuseums Berlin, stellvertretend Dr. Veronika Springmann als Leiterin.
Ohne euren und Ihren unermüdlichen Einsatz für die Erinnerung und den Kampf gegen Antisemitismus im Sport wäre diese Ausstellung nicht möglich gewesen.
Ebenso danken wir den Kooperationspartnern der Ausstellung: Dem World Jewish Congress sowie der Stiftung Historische Museen Hamburg und der Stiftung Hamburger Gedenkstätten.
Nicht zuletzt auch ein Gruß und Dank an mein Team – heute hier vertreten durch Ellen Brinkmann und Anne Scholz.
Ich wünsche uns allen, dass diese Ausstellung möglichst viele Besucher anlockt und möglichst viele Aha-Momente auslöst.
DANKE.