Mit ihrer Literaturhandlung in der Münchner Fürstenstraße gründete Rachel Salamander 1982 die erste Buchhandlung für Literatur zum Judentum nach 1945. Jahrzehnte nach der Vernichtung durch den Nationalsozialismus trug sie dazu bei, jüdisches intellektuelles Leben wieder sichtbar im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.
Über mehr als vier Jahrzehnte hinweg entstand in ihrer Literaturhandlung ein einzigartiges Gedächtnis jüdischen Lebens: Briefwechsel mit Gästen, Original-Tonaufnahmen von Veranstaltungen und zahlreiche Zeugnisse eines kulturellen Neubeginns. Mit Unterstützung der Alfred Landecker Foundation wurde dieses Archiv erschlossen, digitalisiert und für die Ausstellung aufbereitet.
Lena Altman, Co-CEO der Alfred Landecker Foundation, betont: „Rachel Salamanders nun zugängliche Archiv macht jüdisches Denken, Schreiben und Erinnern in seiner ganzen Vielfalt sichtbar. Es eröffnet einen Raum, in dem das Besondere jüdischer Erfahrung – in Literatur, Debatte und gelebter Praxis – im Austausch mit der Gegenwart neu gelesen werden kann und außerdem zur Entwicklung von Haltung anregt. Wir tragen mit unserer Förderung dazu bei, jüdisches Leben in seiner Eigenständigkeit und Vielstimmigkeit erfahrbar zu machen – nicht als Randgeschichte, sondern als prägender Teil unserer kulturellen Gegenwart.“
Eine neue Öffentlichkeit für jüdische Literatur
Rachel Salamander bot jüdischen Autorinnen und Autoren sowie Intellektuellen eine Bühne und schuf neue Öffentlichkeit. Mit über 1.000 von ihr kuratierten Veranstaltungen in Deutschland und Österreich machte sie jüdische Gegenwartsliteratur und Debatten einem breiten Publikum zugänglich und trug dazu bei, dass jüdische literarische Stimmen den gesellschaftlichen Diskurs nachhaltig mitprägten.
Die Ausstellung greift auf das umfangreiche Archiv zurück, das Rachel Salamander 2022 der Stadt München schenkte. Es dokumentiert die Geschichte ihrer Buchhandlung und zugleich ein zentrales Kapitel deutsch-jüdischer Nachkriegsgeschichte.
Die „Rote Sammlung“
Das Herzstück des Archivs ist die „Rote Sammlung“. Über Jahrzehnte hinweg dokumentierte Rachel Salamander die Entwicklung der Literatur zum Judentum sowie zeitgeschichtliche Debatten in Deutschland ebenso wie in Israel. Darunter zum Beispiel Fragen von Staatsräson, die Auseinandersetzung mit Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen, kulturelle Selbstverortung und intellektuelle Positionierungen. Die Sammlung umfasst thematisch geordnete Zeitungsausschnitte, Korrespondenzen und Dokumente, die Hunderte von roten Aktenordnern füllen.
Erstmals zugängliche Originalaufnahmen
Anhand von Filmen, Fotografien und erstmals zugänglichen Audioaufnahmen zeigt die Ausstellung, wie die Buchhandlung zu einem Raum wurde, in dem jüdisches Denken, Schreiben und Debattieren sichtbar wurde. Zugleich wurde die Literaturhandlung zu einer literarischen Heimat für Autorinnen und Autoren wie Zeruya Shalev, Maxim Biller, Ruth Klüger oder Amos Oz. Ergänzend bietet die Monacensia ein vielfältiges Begleitprogramm mit Führungen, Artist Talks, szenischen Lesungen und Autorengesprächen.
Über das Archiv Salamander
Die Ausstellung „Literatur & Haltung. Rachel Salamanders Archiv“ ist Teil des mehrjährigen Erschließungs- und Vermittlungsprojekts „Archiv Salamander“ der Monacensia im Hilderbrandthaus unter der Schirrmherrschaft des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München. Die Alfred Landecker Foundation fördert die Erschließung, wissenschaftliche Aufarbeitung, konservatorische Sicherung, Digitalisierung des Archivs Salamander sowie die Ausstellung.
Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es hier.