Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, Fachleute aus der Praxis sowie politische Expertinnen und Experten kamen zusammen, um zu erörtern, was wirksame demokratische Führung in Zeiten der Unsicherheit erfordert. Im Mittelpunkt standen drei Bereiche: Sicherheit, Migration und gesellschaftlicher Zusammenhalt sowie Innovation.
Ein wiederkehrendes Thema des zweitägigen Workshops war, dass wirksame Führung heute nicht nur von strategischen Entscheidungen abhängt, sondern auch von Resilienz, Anpassungsfähigkeit und einem klaren Wertefundament. Die Teilnehmenden betonten, wie wichtig es ist, unter unsicheren Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, etablierte Annahmen zu hinterfragen und Vertrauen zwischen Institutionen und Bürgerinnen und Bürgern aufzubauen.
Von Osteuropa lernen
Warschau bot für diese Ausgabe der FutureScape-Reihe einen besonders passenden Rahmen. Als strategischer Schlüsselakteur in Europa ist Polen eine zentrale Drehscheibe für die Unterstützung der Ukraine und prägt zunehmend die Reaktionen auf regionale Instabilität. Der Veranstaltungsort verknüpfte historische Erfahrungen mit aktuellen Verantwortlichkeiten und gab den Rahmen für zwei Tage des Austauschs über Sicherheit, Migration, Innovation und demokratische Resilienz vor.
Die europäische Sicherheit war ein zentrales Thema. Im Austausch wurde deutlich, wie die Erfahrungen in Polen und ganz Osteuropa eine strategische Perspektive geprägt haben, die Russlands Aggression, die regionale Resilienz und die Unterstützung der Nachbarländer in den Mittelpunkt der Sicherheitspolitik stellt. Die zunehmende Annäherung der Bedrohungswahrnehmungen in Europa warf zudem die Frage auf, wie daraus eine stärkere strategische Zusammenarbeit und ein langfristigeres Denken entstehen können.
Zugleich wurde Führung nicht nur auf nationaler oder europäischer Ebene diskutiert. In einem Gespräch mit dem Warschauer Oberbürgermeister Rafał Trzaskowski rückte die Rolle der Kommunalpolitik in den Fokus. In einem zunehmend polarisierten Informationsumfeld wurden praktische Lösungen und eine Kommunikation, die an den Alltagserfahrungen der Menschen anknüpft, als entscheidend für die Wiederherstellung von Vertrauen angesehen. Das Gespräch befasste sich auch mit der Frage, wie faktenbasierte und verlässliche Informationen sichtbar bleiben können, wenn KI zunehmend beeinflusst, wie Menschen auf Informationen zugreifen.
Von Sicherheit über Migration bis Innovation
Im Verlauf des Workshops teilten sich die Teilnehmenden in drei thematische Arbeitsgruppen zu Sicherheit, Migration und gesellschaftlichem Zusammenhalt sowie Innovation auf. Das Format in kleineren Gruppen bot Raum, um übergeordnete europäische Herausforderungen ebenso zu untersuchen wie die Fragen, denen die Teilnehmenden in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern begegnen.
Der Austausch konzentrierte sich darauf, wie Europa resilienter und besser für langfristige Veränderungen gerüstet werden kann. Die Themen reichten von geopolitischen Abhängigkeiten und Sicherheitsfragen über demografischen Druck und Belastungen auf dem Arbeitsmarkt, Migration und gesellschaftlichen Zusammenhalt bis hin zu den Voraussetzungen dafür, Innovationen europaweit zu skalieren.
Mehrere strukturelle Herausforderungen zeichneten sich ab: fragmentierte nationale Ansätze, komplexe Regulierung und Bürokratie, begrenzte langfristige Planung sowie die Schwierigkeit, strategische Prioritäten in politisches Handeln zu überführen. Zu den weiteren Prioritäten gehörten höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung, eine strategischere Vergabepolitik, klarere Prioritäten für Schlüsseltechnologien sowie nachhaltigere Ansätze für Migration, Integration und die Mobilität von Arbeitskräften.
Diesen Gesprächen lag eine übergeordnete Frage zugrunde: Wie kann Europa über kurzfristiges Krisenmanagement hinausgehen und eine klarere Vorstellung davon entwickeln, wo es in den kommenden Jahren stehen will – und zugleich komplexe Zielkonflikte so vermitteln, dass das Vertrauen der Öffentlichkeit erhalten bleibt?
Demokratische Strukturen auf die Zukunft vorbereiten
Zum Abschluss der Veranstaltung sprachen Sviatlana Tsikhanouskaya, Vorsitzende des Vereinigten Übergangskabinetts von Belarus, und ihr Stabschef Franak Viačorka mit Sudha David-Wilp vom GMF. Aus dem Exil heraus pflegen die demokratischen Kräfte von Belarus Beziehungen zu demokratischen Regierungen und bauen Partnerschaften auf, die einen künftigen demokratischen Übergang unterstützen könnten. Zugleich arbeiten sie daran, die politische Handlungsfähigkeit der im Ausland lebenden Belarussinnen und Belarussen zu bewahren und Strukturen vorzubereiten, die „am Tag danach“, nach einem Regimewechsel, relevant werden könnten.
Diese Perspektive unterstrich eine der übergreifenden Lehren des Workshops: Resilienz bedeutet nicht nur, auf Druck zu reagieren, wenn er bereits entstanden ist. Demokratische Führung muss Vertrauen, Resilienz und gemeinsame Verantwortung aufbauen, lange bevor sie auf die Probe gestellt werden. Dazu gehört auch, starke demokratische Institutionen, belastbare Beziehungen und die erforderlichen strategischen Fähigkeiten zu schaffen, bevor eine Krise oder ein Moment des Wandels eintritt. In den Diskussionen über Sicherheit, Migration und Innovation kehrte der Austausch in Warschau immer wieder zu derselben Herausforderung zurück: Europa braucht mehr als gute politische Konzepte. Es braucht auch die politische Führung, das öffentliche Vertrauen und die institutionellen Fähigkeiten, um diese Konzepte in die Tat umzusetzen.