Würdigung deutsch-jüdischer Soldaten
Eine Zeremonie in Frankreich erinnert an ein lange übersehenes Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte


Artikel

Im Juni 2026 wurden auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Consenvoye (Frankreich) zwölf deutsch-jüdische Soldaten geehrt, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Im Rahmen einer öffentlichen Umwidmungszeremonie erhielten ihre Gräber, die über Jahrzehnte mit christlichen Kreuzen gekennzeichnet waren, neue Grabsteine mit dem Davidstern – als Anerkennung ihrer jüdischen Identität.

Historische Ungenauigkeiten korrigieren 

Die Zeremonie war Teil von Operation Levi, einem Programm des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Zusammenarbeit mit Operation Benjamin. Ziel des Programms ist es, deutsch-jüdische Soldaten zu identifizieren, die im Ersten Weltkrieg für Deutschland gefallen und irrtümlich unter lateinischen Kreuzen bestattet worden waren. Die Alfred Landecker Foundation fördert dieses Vorhaben. Durch historische Recherchen, die Einbindung von Familienangehörigen und öffentliche Gedenkzeremonien trägt das Projekt dazu bei, die jüdische Identität deutsch-jüdischer Soldaten sichtbar zu machen, deren Gräber über Generationen hinweg falsch gekennzeichnet waren.

An der Zeremonie nahmen Nachfahren der Soldaten, religiöse Vertreter, Militärangehörige, Diplomaten und Historikerinnen und Historiker aus mehreren Ländern teil. Für viele der Geehrten wurde erstmals an ihren Gräbern das Kaddisch – das traditionelle jüdische Totengebet – gesprochen.

Eine Geschichte jenseits des Schlachtfelds 

Das Projekt macht auf ein weitgehend übersehenes Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte aufmerksam. Viele deutsche Juden meldeten sich freiwillig zum Dienst im Ersten Weltkrieg, in der Hoffnung, ihre Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft durch ihren Einsatz zu bekräftigen.

Für die Alfred Landecker Foundation ist die Förderung dieses Projekts eng mit der Biografie ihres Namensgebers verbunden. Alfred Landecker war selbst deutscher Jude und freiwilliger Soldat im Ersten Weltkrieg. Er kehrte 1918 als Feldwebel und Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse von der Front zurück. Wie viele jüdische Soldaten glaubte auch Landecker, dass sein patriotischer Einsatz ihn vor antisemitischer Ausgrenzung schützen würde. Erst Jahre später musste er erkennen, dass diese Hoffnung eine Illusion gewesen war. Trotz seines Militärdienstes wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt und 1942 ermordet.

 

Forschung, Erinnerung und Bildung

Der Austausch der Grabsteine ist nur ein Teil der Initiative. Historische und genealogische Recherchen, die Kontaktaufnahme mit Nachfahren, die fotografische und filmische Dokumentation sowie die Entwicklung von Bildungsmaterialien sind zentrale Bestandteile des Projekts. Gemeinsam schaffen diese Aktivitäten ein wachsendes Archiv, das individuelle Lebensgeschichten bewahrt und neue Möglichkeiten der historischen Bildungsarbeit eröffnet. Indem das Projekt die Biografien deutsch-jüdischer Soldaten dokumentiert und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, trägt es zu einem differenzierteren Verständnis der deutsch-jüdischen Geschichte und ihrer Bedeutung für die Gegenwart bei.

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