Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 sind Kriege und globale Konflikte spürbar näher an Deutschland gerückt und für Europa stellen sich neue sicherheitspolitische Fragen. Der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz sprach von einer Zeitenwende, die sich inzwischen in allen Lebensbereichen bemerkbar macht. Desinformation, zunehmender Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit tragen zu einer wachsenden Polarisierung der Gesellschaft bei. Diese epochalen Veränderungen stellen Deutschland vor immense Herausforderungen: Bisherige außen- und sicherheitspolitische Prämissen haben ihre Gültigkeit verloren, neue politische Antworten und vor allem auch ein gesellschaftlicher Konsens müssen gefunden werden.
Die Münchner Sicherheitskonferenz hat das Format Zeitenwende on tour ins Leben gerufen, um den offenen Austausch über Deutschlands Rolle in einer sich wandelnden Welt mit den Menschen vor Ort zu suchen. In Townhall-Diskussionen mit bis zu 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern schaffte Zeitenwende on tour eine Bühne, um Bürgerinnen und Bürger zu Wort kommen zu lassen. Offen und auf Augenhöhe konnten sie mit Gästen aus Politik und Wissenschaft Deutschlands Sicherheits- und Europapolitik, diskutieren – und dabei auch über die Implikationen sprechen, die diese Veränderungen für jeden Einzelnen hat.
"Wir freuen uns sehr, dieses Vorhaben der Münchner Sicherheitskonferenz zu unterstützen. Gerade in Zeiten zunehmender Spaltung ist es wichtig, hochpolitische Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten – und dabei ganz bewusst Sorgen ernst zu nehmen und über diese auf Basis von Fakten zu diskutieren. Zeitenwende on tour schafft Raum für diese Art von offenem Austausch und stärkt so das Vertrauen in unser demokratisches Miteinander“, sagt Silke Mülherr, Co-CEO der Alfred Landecker Foundation zum Start des Projekts.
In den Townhall-Gesprächen von Zeitenwende on tour wurde spürbar, wie sehr der Abschied von langen gültigen Gewissheiten viele Menschen bewegt. Die Erkenntnis, dass Frieden und Wohlstand nicht mehr als selbstverständlich gelten können, prägte die Diskussionen ebenso wie die Frage, was Verteidigungsfähigkeit heute konkret bedeutet – jenseits von Zahlen, Budgets und Strukturen. Immer wieder ging es um Verantwortung: Wer trägt sie, wofür lohnt es sich einzustehen, und wie lässt sich eine reale Bedrohungslage ehrlich benennen, ohne zu lähmen? Besonders deutlich wurde dabei der Wunsch nach Klarheit, nach ernsthafter Auseinandersetzung mit unbequemen Realitäten und nach einem handlungsfähigen Europa, das Sicherheit und demokratische Werte gemeinsam schützt. Die Gespräche zeigten, wie wichtig offene, faktenbasierte Dialoge sind, um Verunsicherung aufzugreifen, Vertrauen zu stärken und demokratische Resilienz dort wachsen zu lassen, wo Menschen sich gehört fühlen und gemeinsam über die Grundlagen einer offenen, pluralistischen Gesellschaft nachdenken.
Eindrücke aus der Station von "Zeitenwende on tour" in Frankfurt/Oder im Oktober 2024