Alfred Landecker Memorial Lecture 2026 mit Anne Applebaum
Die Achse der Autokraten


Wie hat sich durch ausgeklügelte Netzwerke eine neue internationale autokratische Allianz gebildet? Und wie untergräbt diese Allianz liberale Demokratien? Im Interview gibt die Autorin und Historikerin Anne Applebaum einen Einblick in die Themen, über die sie in der Alfred Landecker Memorial Lecture am 27. Januar 2026 sprechen wird.

Footnotes
Expand Expand Collapse Collapse

Anne Applebaum ist eine weltweit führende Expertin für autoritäre Systeme. 2004 erhielt sie für ihr Buch „Gulag: A History“ den Pulitzer-Preis. Ihre Werke, darunter „Iron Curtain“ und „Twilight of Democracy“, haben die globale Debatte über die Gefahren für die liberale Demokratie geprägt. Im Jahr 2024 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Applebaum ist außerdem Kolumnistin für The Atlantic und Senior Fellow an der Johns Hopkins University.

In der Alfred Landecker Memorial Lecture 2026 nimmt Anne Applebaum ihr neues Buch Die Achse der Autokraten zum Ausgangspunkt. Darin untersucht sie, wie autoritäre Regime zunehmend koordiniert vorgehen, um demokratische Gesellschaften zu schwächen – und welche Strategien dem entgegengesetzt werden können. Über diese Herausforderungen für die Demokratie sprach Anne Applebaum vorab mit uns im Interview.


Ihre Vorlesung findet am Holocaust-Gedenktag statt – einem Tag der Erinnerung und des Nachdenkens. Inwiefern könnte dieser historische Moment Ihrer Meinung nach einen Ausgangspunkt für das Verständnis der heutigen Herausforderungen für die Demokratie darstellen?

AA: Wir befinden uns an einem Wendepunkt, an dem die Menschen um uns herum alte Ideen wiederentdecken, wie den ethnischen Nationalismus, die Philosophie von Carl Schmitt, die Manipulation von Angst und Hass. Die Geschichte wiederholt sich zwar nicht auf die gleiche Art und Weise, aber wir sehen und hören Echos der Vergangenheit in der Gegenwart.


Sie schreiben, dass Demokratien sich anpassen müssen, wenn sie widerstandsfähig bleiben wollen. Auf welche Bereiche sollten sich demokratische Gesellschaften Ihrer Meinung nach am dringendsten konzentrieren?

AA: Wir müssen sehr bald entscheiden, ob wir Überwachungstechnologien, künstliche Intelligenz, das Internet of Things, Sprach- oder Gesichtserkennungssysteme und andere neue Technologien so gestalten wollen, dass ihre Erfinderinnen und Erfinder sowie Nutzerinnen und Nutzer weiterhin demokratischen Gesetzen sowie den Grundsätzen der Menschenrechte und Transparenzstandards unterliegen. Wir haben es bereits versäumt, soziale Medien zu regulieren, was negative Folgen für die Politik weltweit hat. Wenn wir es versäumen, KI zu regulieren, bevor sie politische Debatten verzerrt, um nur ein offensichtliches Beispiel zu nennen, könnte dies im Laufe der Zeit katastrophale Auswirkungen zur Folge haben.

Welche Kerngedanken sollen Ihrer Meinung nach Ihrer Zuhörerschaft nach dem Vortrag im Gedächtnis bleiben?

AA: Keine Nation ist für immer zur Autokratie verdammt, genauso wie keiner Nation Demokratie garantiert ist. Autokratie ist ein politisches System, eine Art der Gesellschaftsstrukturierung, ein Mittel zur Organisation von Macht. Sie ist keine genetisch bedingte Eigenschaft. Aber auch Demokratien sind politische Systeme, und sie können zerfallen, wenn ihre Bürgerinnen und Bürger nicht dafür sorgen, dass sie lebendig bleiben.

In Autocracy Inc. beschreiben Sie, wie autoritäre Führer über Grenzen hinweg zusammenarbeiten. Welcher Aspekt dieser globalen Zusammenarbeit wird Ihrer Meinung nach in der öffentlichen Debatte noch am stärksten unterschätzt?

AA: Die autokratische Welt und ein Teil der demokratischen Welt haben eine Schattenwirtschaft erschaffen, in der keine Steuern gezahlt und Gesetze gebrochen werden, in der Menschen sowie Unternehmen anonym agieren können. Diese Schattenwelt des Geldes beeinflusst Politik und Wirtschaft überall auf der Welt. Es ist schwer, darüber zu berichten und dieses Mittel zu verstehen, aber es ist ein zentrales Instrument autokratischer Einflussnahme.

Was sehen Sie mit Blick auf die Zukunft als einen vielversprechenden Weg, um dem Einfluss zunehmend koordinierter autokratischer Akteure entgegenzuwirken?

Demokratien sollten erneut in politischen Bündnissen zusammenarbeiten, um Transparenz zu fördern, internationale Standards zu schaffen und sicherzustellen, dass Autokratien nicht die Regeln festlegen und die neuen Technologien der Zukunft gestalten.


Die Alfred Landecker Memorial Lecture

Die Alfred Landecker Memorial Lecture, die jährlich von der Blavatnik School of Government der Universität Oxford ausgerichtet wird, findet am Internationalen Holocaust-Gedenktag statt. Die Vorlesung ist ein fester Bestandteil unserer Förderung an der Universität Oxford, das sich auf den Schutz demokratischer Werte, Institutionen und Good Governance konzentriert.


Datum und Uhrzeit: 27. Januar 2026, 17:30 bis 19:00 Uhr (GMT)

Ort: Blavatnik School of Government und online

Eintritt: frei

Anmeldung: hier.

Im Anschluss finden eine Diskussion und ein Empfang statt.

Unsere Themen

An den Holocaust erinnern

Antisemitismus bekämpfen

Demokratie stärken

Auf Bluesky teilen
Per E-Mail teilen
Share-mail
Link kopieren
Link kopiert
Copy link
Programm an der Universität Oxford
back arrow