Die Arbeit der Alfred Landecker Foundation basiert auf der historischen Erkenntnis, dass es starke Institutionen sind, die letztlich Rechtsstaatlichkeit und den Schutz von Minderheiten gewährleisten – beides ist weder selbstverständlich noch dauerhaft gesichert. Die Lehren aus dem Holocaust machen deutlich, dass demokratischer Zusammenbruch häufig nicht allein durch Extremisten begünstigt wird, sondern ebenso durch institutionelle Trägheit und mangelnde verantwortungsvolle Führung. Diese Einsichten sind nicht auf Gedenktage beschränkt, sondern von unmittelbarer Relevanz für heutiges politisches Handeln.
Vor diesem Hintergrund haben wir eine neue Partnerschaft mit dem German Marshall Fund of the United States ins Leben gerufen: FutureScape. Mutiges Führen für eine strategisch ausgerichtete Zukunft. Die Initiative bringt aufstrebende Führungspersönlichkeiten aus Deutschland und ganz Europa zusammen, um Entscheidungskompetenzen innerhalb demokratischer Institutionen zu stärken und die Teilnehmenden mit den notwendigen Fähigkeiten, Netzwerken und praxisnahen Werkzeugen auszustatten, um institutionelle Grenzen und politischen Druck erfolgreich zu bewältigen.
Der Kick-off-Workshop in Kopenhagen versammelte Führungskräfte aus Politik, öffentlicher Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und dem sicherheitspolitischen Umfeld. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen drei zentrale Politikfelder: Verteidigung und Sicherheit, Migration sowie Innovation. Alle drei Themen berühren die übergeordnete Frage, wie demokratische Systeme unter Bedingungen zunehmender äußerer und innerer Belastungen handlungsfähig und vertrauenswürdig bleiben können.
Die sich dynamisch entwickelnde geopolitische Lage rund um Grönland diente als konkretes Fallbeispiel für Debatten über strategische Verantwortung und europäische Handlungsfähigkeit. Beiträge kamen unter anderem von Lotte Machon, Staatssekretärin im dänischen Außenministerium, und Jens Heinrich, Leiter der Grönländischen Vertretung in Kopenhagen, sowie von dänischen Expertinnen und Experten wie Peter Ernstved Rasmussen (Journalist und Medienunternehmer / OLFI), Nicolaj Geller Christensen (CEO, Digital Hub Denmark) und Carolin Hjort Rapp (Wissenschaftlerin, Universität Kopenhagen). Ergänzt wurden die Diskussionen durch eine transatlantische Perspektive auf die aktuellen Herausforderungen von dem ehemaligen US-General Curtis M. Scaparrotti.
Moderiert wurden die Debatten von Sudha David-Wilp (GMF) und Silke Muelherr, Co-CEO der Alfred Landecker Foundation.
Über die verschiedenen thematischen Sitzungen hinweg traten mehrere wiederkehrende Erkenntnisse hervor:
Sicherheit und demokratische Resilienz
Wirksame Sicherheitspolitik beruht nicht allein auf militärischen Fähigkeiten und funktionierenden Verfahren, sondern ebenso auf Bildung, öffentlicher Aufklärung und gesellschaftlichem Engagement. Demokratische Resilienz kann nicht vollständig an den Staat delegiert werden; sie erfordert Bürgerinnen und Bürger, die ihre eigene Rolle und Verantwortung für den Erhalt demokratischer Systeme verstehen.
Innovation, Risiko und institutionelle Kultur
Neue Ideen haben es schwer, sich in stark risikoaversen Umfeldern durchzusetzen. Die Teilnehmenden diskutierten die Notwendigkeit, bürokratische Rahmenbedingungen neu zu denken und bewusst Raum für Experimentieren und Lernen zu schaffen. Eine stärkere Öffnung gegenüber Kooperationen mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft kann dabei wichtige Impulse für die Erneuerung des öffentlichen Sektors liefern.
Migration und demokratische Legitimität
Migration bleibt eines der politisch umstrittensten Themen in Europa. Die Diskussionen unterstrichen die Bedeutung, Herausforderungen aufzugreifen, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern als drängend empfunden werden, ohne dabei extremen Akteuren die Agenda zu überlassen. Demokratische Glaubwürdigkeit entsteht letztlich weniger durch Rhetorik als durch wahrnehmbare Verbesserungen im Alltag der Menschen.
Der Auftakt von FutureScape machte eine zentrale Problemlage deutlich: Wenn Demokratien grundlegende, praktische Probleme nicht lösen, schwindet das Vertrauen der Bevölkerung – und mit ihm die Unterstützung für demokratische Normen selbst. Der Ausbau institutioneller Handlungsfähigkeit, ethischer Führung und langfristiger Netzwerke des Vertrauens ist daher nicht nur eine politische Herausforderung, sondern auch eine Verantwortung gegenüber der Geschichte.
Die Gespräche in Kopenhagen markierten den Beginn eines längerfristigen Prozesses mit dem Ziel, eine neue Generation europäischer Führungspersönlichkeiten zu befähigen, sich mit Mut, Integrität und strategischer Weitsicht für die Verteidigung der Demokratie einzusetzen.