rememBarcamp 2026 
Fünf Jahre digitale Erinnerungsarbeit – und ein neues Netzwerk


Am 2. und 3. Juli kamen Fachleute aus Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Archiven in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Hamburg zusammen. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte, unterstützt von der Alfred Landecker Foundation.

Die Teilnehmenden kamen unter anderem aus pädagogischen Abteilungen und der Öffentlichkeitsarbeit, aus kleinen Gedenkorten und großen Institutionen. Gemeinsam war ihnen die Erfahrung, dass digitale Kompetenz in der Erinnerungsarbeit mühsam und oft ohne strukturelle Unterstützung aufgebaut werden muss. Eine aktuelle Erhebung des Landecker Digital Memory Lab unter 127 Erinnerungsinstitutionen weltweit macht den Handlungsbedarf in Zahlen sichtbar und unterstreicht diese Erfahrungen: 42,5 Prozent der befragten Einrichtungen haben weniger als eine Vollzeitstelle für digitale Aufgaben zur Verfügung. Fehlende Finanzierung, keine langfristigen digitalen Strategien und der rasante technologische Wandel gehörten zu den meistgenannten strukturellen Herausforderungen. 

Was viele Teilnehmenden als Einzelproblem erleben, erweist sich auf dem rememBarcamp als geteilte Realität.

 

Die Agenda entstand vor Ort

Das rememBarcamp  wirkt dieser Isolation entgegen. Anders als bei klassischen Fachkonferenzen gab es auch in diesem Jahr kein vorab festgelegtes Programm. Die Teilnehmenden entwickelten die Agenda zu Beginn des ersten Tages selbst. Was diskutiert wurde, kam aus der Praxis und wurde von denen gestaltet, die täglich mit den Herausforderungen konfrontiert sind. In fünf Panels à 45 Minuten fanden zeitgleich Impulse, Diskussionen und Workshops statt – insgesamt 23 Sessions in zwei Tagen. Das Format schuf einen Rahmen, in dem nicht nur Erfolge geteilt wurden, sondern auch Fehler und Learnings. 

Die Themenpalette spiegelte die Vielfalt der digitalen Herausforderungen in der Gedenkstättenarbeit wider. Gesprochen wurde über Plattformstrategien und den Umgang mit Hass und Desinformation in sozialen Medien, über digitale Infrastruktur und Archivierung, über den Einsatz von KI in der Vermittlungsarbeit sowie über Formate, die neue und insbesondere jüngere Publika ansprechen. Der Einsatz von KI stand dabei im besonderen Fokus. Als Werkzeug kann sie helfen, Archive zugänglich zu machen, Quellen zu erschließen und Übersetzungen zu ermöglichen. Gleichzeitig treibt sie die Produktion und Verbreitung von Fake History voran, synthetischen Bildern und Texten, die historische Authentizität imitieren, ohne sie zu besitzen. Die Diskussionen zeigten, dass Gedenkstätten in dieser Frage gemeinsame Positionen und Standards brauchen, die einzelne Einrichtungen nicht allein entwickeln können.

Gemeinsam handeln, wo Einzelne an Grenzen stoßen

Capacity Building und Vernetzung sind wirksamer als individuelle Lösungsversuche. Das rememBarcamp hat in den vergangenen fünf Jahren gezeigt, dass ein geschützter Raum für offenen Austausch auf Augenhöhe mehr bewegen kann als formale Fachtagungen, weil er Vertrauen schafft, Fragen zulässt und Kooperationen ermöglicht, die sonst nicht entstehen. Aus diesem Vertrauen sind in den vergangenen Jahren konkrete Projekte sowie Kooperationen gewachsen, die über die jeweiligen Veranstaltungen hinauswirkten.

 

Ein Netzwerk entsteht

Die Jubiläumsausgabe hatte zum Ziel, das Netzwerk, das 2022 beim ersten rememBarcamp entstanden war, zu formalisieren. Das Netzwerk „Digital History and Memory" wurde gegründet, eine institutionenübergreifende Struktur, die sich dauerhaft für digitale Projekte an Gedenkstätten einsetzt. Es soll gemeinsame Standards entwickeln, Wissenstransfer organisieren und Kooperationen ermöglichen, ob Open-Source-Projekte, inhaltliche Zusammenarbeit oder gemeinsam entwickelte technische Lösungen. 

 

Die Alfred Landecker Foundation hat alle fünf Ausgaben des rememBarcamp mitgefördert, 2022 in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, 2023 in der KZ-Gedenkstätte Dachau, 2024 in der Gedenkstätte Hadamar, 2025 im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide und 2026 in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

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