Diese von den Yad-Vashem-Historikern Robert Rozett und Iael Nidam-Orvieto herausgegebene Sammlung dokumentiert persönliche Zeugnisse jüdischer Überlebender, die unterschiedlichste Erfahrungen gemacht haben – darunter solche, die das Martyrium in den Konzentrationslagern erdulden mussten, als Partisanen kämpften oder im Untergrund überlebten.
Im Gegensatz zu später niedergeschriebenen Memoiren beschreiben die Briefe oftmals unmittelbar und ohne Filter, was die Überlebenden kurz nach der Befreiung bewegte. Die Briefe zeigen die individuellen Dimensionen von „Befreiung“, die häufig nicht als Triumph erlebt wurde, sondern als Konfrontation mit dem Verlust von Angehörigen und Heimat. Der Band wird ergänzt durch historische Kontextualisierungen der Herausgeber, die jedes Schreiben in seinen biografischen, geografischen und zeithistorischen Zusammenhang einordnen.
Am Abend des 14. September wird das Buch der Öffentlichkeit präsentiert. Ab 20 Uhr lesen die Schauspieler Iris Berben und Oliver Masucci im Berliner Kino International aus den Briefen. Bildungsministerin Karin Prien wird die Keynote halten. Der ehemalige Leiter des Internationalen Instituts für Holocaustforschung in Yad Vashem, Prof. Dr. Dan Michman, wird die historische Tragweite der Briefe erörtern. Ein Brief seiner Mutter ist in dem Band abgedruckt. Der Abend wird musikalisch begleitet von Nur Ben Shalom. Weitere Lesungen sind in Frankfurt am Main (8. Oktober 2026) und Stuttgart (25. Januar 2027) geplant.
Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Die Briefe berichten vom größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Zugleich zeugen sie von der inneren Stärke von Menschen, die die Shoah überlebt haben. Mit diesen Briefen verbinde ich die Hoffnung, kommenden Generationen Zeugnisse zu hinterlassen, die das Erlebte fassbar machen, um Mitgefühl, Verständnis und nicht zuletzt den Wert unserer Demokratie zu vermitteln.“
Kai Diekmann, Vorsitzender des Freundeskreis Yad Vashem e.V., erklärt: „Diese Briefe sind Vermächtnisse – erste Stimmen aus dem Moment zwischen Hölle und Hoffnung. In einer Zeit, in der die Zahl der Zeitzeugen schwindet, wird ihre Veröffentlichung in deutscher Sprache eine Mahnung der Vergangenheit. Sie zeigen uns: Befreiung repräsentiert den Anfang einer neuen, oft unermesslich schweren Lebensgeschichte. Diese direkten Zeugnisse sind ein Wissensschatz, den wir bewahren müssen."
Dr. Robert Rozett, emeritierter leitender Historiker bei Yad Vashem und Mitherausgeber des Bandes: „Ohne dazu aufgefordert worden zu sein, schrieben Holocaust-Überlebende Briefe, in denen sie die grundlegende Geschichte ihres Leidens und Überlebens sowie der Verluste, die sie erlitten hatten, schilderten und dabei oft Familienangehörige und Freunde nannten, die ermordet worden waren. Diese Briefe stellen die allerersten Zeugenaussagen von Überlebenden dar und sind wertvolle Dokumente, die zu unserem Verständnis des Holocaust beitragen. Sie verkörpern zudem den tiefen Wunsch der meisten Überlebenden, in eine bessere Zukunft zu blicken. Qual und Hoffnungsschimmer stehen im Mittelpunkt dieser Briefe. Der Prozess der Analyse der Briefe und der Kommentierung ihres Inhalts bietet eine zusätzliche Ebene, die der Leserschaft hilft, die vielfältigen Erfahrungen zu begreifen, denen Juden während des Holocaust ausgesetzt waren.“
Verleger Manuel Herder: „'Nach so viel Schmerz und Pein' ist ein Buch, das Stimmen der Überlebenden zugänglich macht und Raum für Empathie und Gespräch schafft.“
Lena Altman, CEO der Alfred Landecker Foundation: „Jeder erste Brief in diesem Band beginnt mit der Hoffnung auf eine Antwort. Achtzig Jahre später sind wir zu den Adressaten dieser Worte geworden. Die Briefe zeigen die Vielfalt jüdischer Erfahrungen nach der Befreiung - und die unterschiedlichen Wege zurück ins Leben. Wir unterstützen dieses Projekt, weil es Geschichte durch einzelne Stimmen erfahrbar macht und diese Stimmen auch kommende Generationen erreichen sollen.“
Das Ziel des Freundeskreises Yad Vashem besteht darin, die Sammlungen und die Expertise der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Dafür stärkt der Verein nicht nur die Beziehungen zwischen der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem und deutschen Institutionen, sondern bietet zahlreiche Ausstellungen und Kampagnen in Zusammenarbeit mit Yad Vashem an. Durch Initiativen wie #LichtZeigen und Ausstellungen wie „Sechzehn Objekte" setzt sich der Freundeskreis Yad Vashem für eine lebendige Erinnerungskultur ein.