Rund ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland besucht eine Berufsschule. Berufsschulen sind damit zentrale Sozialisationsorte mit besonderer gesellschaftlicher Reichweite. Viele dieser Jugendlichen werden später als Fachkräfte – teilweise auch in ausbildenden Funktionen oder Führungspositionen – in diverse soziale Umfelder hineinwirken. Gleichzeitig lernen dort überdurchschnittlich viele Jugendliche mit Migrationsgeschichte oder brüchigen Bildungsbiografien, während kulturelle und politische Bildungsangebote bislang nur begrenzt vorhanden sind. Genau hier setzt das Projekt „AntiAnti - Museum Goes School" an: Das speziell für berufsbildende Schulen entwickelte Programm stärkt Antisemitismusprävention und Demokratiebildung in einem niedrigschwelligen, lebensweltbezogenen Format.
Ein Format, das nachhaltige Auseinandersetzung ermöglicht
Im Rahmen des Projekts werden Klassen über ein Schulhalbjahr begleitet. In sechs aufeinander aufbauenden Workshops werden Themen wie Antisemitismus, Rassismus, jüdisches Leben und Zugehörigkeit dialogisch und lebensweltbezogen bearbeitet. Das Jüdische Museum Frankfurt arbeitet dabei mit Objekten aus dem Museum, Kunst und kreativen Formaten und vermittelt jüdisches Leben in all seiner Vielfalt – auch jenseits einer reinen Fokussierung auf Antisemitismus und die Schoa. Im Sinne der primärpräventiven Bildungsarbeit wird so ein niedrigschwelliger Zugang zu jüdischer Kultur und Geschichte geschaffen, um antisemitischen Vorurteilen entgegenzuwirken. Kritische Medienbildung – im Umgang mit Fake News, Verschwörungserzählungen und Social-Media-Narrativen – ist ebenfalls fester Bestandteil des Programms.
So baut das Projekt antisemitische und rassistische Vorurteile ab und stärkt Empathie, Ambiguitätstoleranz und demokratischer Handlungskompetenz. Das Halbjahres-Format, in dem die Schulklassen und das Lehrpersonal mehrfach zusammenkommen, schafft Vertrauen und Nachhaltigkeit - Fragen der jungen Leute können durch dieses Konzept nachhallen und in Folgeterminen beantwortet werden.
Das Programm läuft seit 2017, wird wissenschaftlich evaluiert und wurde 2024 an aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen nach dem 7. Oktober 2023 angepasst. Durch die Förderung wird es inhaltlich und methodisch weiterentwickelt. Im Rahmen der Förderung der Alfred Landecker Foundation werden bis zu acht Klassen pro Jahr mit je rund 25 Teilnehmenden erreicht.
Wirkung über die Klasse hinaus
Begleitend werden Lehrkräfte berufsbildender Schulen in Frankfurt am Main fortgebildet und als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gestärkt. Wer als Lehrerin oder Lehrer lernt, antisemitische Äußerungen zu erkennen und einzuordnen, trägt dieses Wissen in den Schulalltag und in alle Klassen, die folgen. So wirkt das Projekt über das Bildungsangebot hinaus als struktureller Hebel in der Antisemitismusbekämpfung.
In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Frankfurt
Das 1988 gegründete Jüdische Museum Frankfurt vermittelt die 900-jährige Geschichte jüdischen Lebens in der Stadt. Mit Ausstellungen, Schulprogrammen und Lehrkräfte-Fortbildungen hat es sich als Institution der kulturellen und politischen Bildung in der Rhein-Main-Region etabliert. In seiner Bildungsarbeit verbindet es ästhetische Erfahrung mit politischer Reflexion und setzt auf einen dialogischen, personenzentrierten Ansatz.