Eine neue Plattform zur Geschichte der „Aktion Reinhardt“


Der World Jewish Congress (WJC) hat eine neue Online-Plattform zur Geschichte der „Aktion Reinhardt“ veröffentlicht. Sie ist Teil des von der Alfred Landecker Foundation geförderten Projekts „Im Schatten von Auschwitz“ und macht ein zentrales, zugleich häufig übersehenes Kapitel des Holocaust digital zugänglich.

Die Plattform „Beyond Auschwitz: Places and History of the Holocaust in the Lublin District“ lenkt die Aufmerksamkeit auf die häufig übersehene Geschichte der „Aktion Reinhardt“ und möchte dazu beitragen, sie stärker im öffentlichen Gedächtnis zu verankern.

richtet den Blick auf die Geschichte der „Aktion Reinhardt“ und trägt dazu bei, ihre Bedeutung stärker im öffentlichen Gedächtnis zu verankern.

Unter der Leitung des SS- und Polizeiführers Odilo Globocnik organisierten die Nationalsozialisten im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ Deportationen, Zwangsarbeit, systematische Plünderungen und den Mord an der jüdischen Bevölkerung im Generalgouvernement des besetzten Polens. Lublin diente dabei als Verwaltungszentrum. Zwischen März 1942 und November 1943 wurden im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ schätzungsweise 1,7 bis 1,8 Millionen jüdische Frauen, Männer und Kinder ermordet. Sie zählt damit zu den tödlichsten Kapitel des Holocaust.

Mit der neuen Plattform werden Orte, Geschichte und Hintergründe der „Aktion Reinhardt“ zugänglich gemacht. Sie soll dazu beitragen, das Wissen über dieses oft im Schatten von Auschwitz stehende Kapitel des Holocaust zu erweitern und langfristig im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

 

Das Ausmaß der „Aktion Reinhardt“ sichtbar machen

Zwei der drei eigens errichteten Vernichtungslager, Bełżec und Sobibór, befanden sich im Distrikt Lublin. Hinzu kamen der Konzentrations- und Vernichtungslagerkomplex Majdanek sowie ein weit verzweigtes Netz aus Durchgangsghettos, Arbeitslagern und Erschießungsstätten. Vor dem Holocaust lebten rund 350.000 Jüdinnen und Juden in der Region und prägten über Jahrhunderte hinweg das religiöse, kulturelle und gemeinschaftliche Leben. Nahezu das gesamte jüdische Leben in der Region wurde ausgelöscht.

Trotz des Ausmaßes der Morde ist die Geschichte der „Aktion Reinhardt“ im öffentlichen Bewusstsein deutlich weniger präsent als die von Auschwitz-Birkenau. Die Vernichtungslager dienten der unmittelbaren Ermordung der Deportierten und ließen kaum Überlebende zurück. Später ließ die SS die Lager abbauen und versuchte, sämtliche Spuren der Verbrechen zu beseitigen.

Die neue Plattform kartiert und dokumentiert historische Orte im gesamten Distrikt Lublin. Dazu gehören die Durchgangsghettos Izbica, Piaski und Włodawa sowie die Vernichtungsstätten Bełżec, Sobibór und Majdanek. Indem die Plattform die Geschichte mit konkreten Städten, Lagern, Feldern und Wäldern verknüpft, zeigt sie, wo die Verbrechen stattfanden, und macht ihr Ausmaß sichtbar.

 

Eine gemeinsame Initiative der Alfred Landecker Foundation und des World Jewish Congress

Die Online-Plattform wurde im Rahmen von Im Schatten von Auschwitz:
Die „Aktion Reinhardt“ und ihre Auswirkungen entwickelt, einer gemeinsamen Initiative des World Jewish Congress und der Alfred Landecker Foundation. Das Programm führt leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Bundestages und der Bundesministerien an historische Orte, die mit der „Aktion Reinhardt“ verbunden sind.

Nach den ersten Reisen im Rahmen des Programms soll die neue Plattform künftige Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl bei der Vorbereitung ihrer Besuche als auch bei der anschließenden Auseinandersetzung mit der Geschichte unterstützen. Indem sie die Geschichte der „Aktion Reinhardt“ für Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms, Lehrkräfte, Studentinnen und Studenten sowie die breite Öffentlichkeit zugänglich macht, trägt die Plattform dazu bei, die Erinnerung an eines der am wenigsten bekannten Kapitel des Holocaust zu bewahren.

Für die Alfred Landecker Foundation hat das Projekt eine besondere Bedeutung: Ihr Namensgeber Alfred Landecker wurde 1942 in das Durchgangsghetto Izbica deportiert, eine der zentralen Zwischenstationen auf dem Weg in die Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“.

 

Mehr Informationen zur Plattform des World Jewish Congress hier. 

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