Fußball ist mehr als ein Spiel: Er ist Teil der Gesellschaft, spiegelt Machtverhältnisse wider und kann sowohl verbinden als auch ausgrenzen. Die Ausstellung zeigt, wie eng Sport und Politik im Nationalsozialismus miteinander verflochten waren und fragt, was sich daraus für den Sport heute lernen lässt.
Erstmals wurde die Ausstellung anlässlich der EURO 2024 in Berlin einem breiten Publikum präsentiert. Gerade im Umfeld eines internationalen Fußballgroßereignisses lädt sie dazu ein, nicht nur den Sport zu feiern, sondern auch seine Geschichte kritisch zu betrachten. Mit Förderung durch die Alfred Landecker Foundation wird sie nun als Wanderausstellung gezeigt und erreicht damit neue Zielgruppen in Vereinen, Bildungseinrichtungen und der breiten Öffentlichkeit. Ziel ist es, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Sports sowie Fragen nach Kontinuitäten von Antisemitismus und Rassismus langfristig dort zu verankern, wo Sport heute gelebt wird: in Stadien, auf Sportplätzen, in Schulen und in Jugendmannschaften.
Sport im Nationalsozialismus
Die Ausstellung beleuchtet die zentrale Rolle, die der Sport im Nationalsozialismus spielte. Er sollte Körper formen, Menschen disziplinieren und sie auf Krieg, Gehorsam und ideologische Unterordnung vorbereiten. Die Nationalsozialisten propagierten die Idee einer sogenannten „Volksgemeinschaft“, zu der jedoch nur diejenigen gehören sollten, die ihrem rassistischen und antisemitischen Weltbild entsprachen. Sport wurde zu einem Mittel, diese Zugehörigkeiten und Ausschlüsse sichtbar und gesellschaftlich wirksam zu machen. Bei großen Sportveranstaltungen inszenierte sich das Regime als modern, leistungsfähig und geschlossen. Ein besonders bekanntes Beispiel sind die Olympischen Spiele 1936 in Berlin.
Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich einem kaum bekannten und zugleich besonders eindrücklichen Kapitel: Fußballspielen in Konzentrationslagern. Auch dort wurde Fußball gespielt – unter Zwang, als Ablenkung, als Teil von Herrschaft und Demütigung, manchmal aber auch als letzter Rest von Selbstbehauptung und Menschlichkeit. Darüber hinaus beleuchtet die Ausstellung einzelne Biografien. Besucherinnen und Besucher begegnen unter anderem Lotte Specht, die Anfang der 1930er Jahre in Frankfurt am Main das erste Frauenfußballteam gründete und an gesellschaftlichen Widerständen scheiterte. Die Geschichten des jüdischen Fußballers Eddie Hamel und der erfolgreichen Leichtathletin Lilli Henoch zeigen, dass sportlicher Erfolg keinen Schutz bot: Auch sie wurden Opfer von Antisemitismus, Ausgrenzung und nationalsozialistischer Gewalt.
Begleitende Führungen, Workshops und Bildungsangebote für Sportvereine, Jugendmannschaften und Schulklassen laden Besuchende dazu ein, aus der Geschichte zu lernen und Sport als Raum von Vielfalt, Solidarität und Teilhabe zu gestalten.
Erinnerungskultur im Sport
Die Alfred Landecker Foundation fördert das Projekt, weil es das Bewusstsein für die Ursachen, Wirkungen und Folgen des Holocaust schärft, die Instrumentalisierung gesellschaftlicher Räume durch das NS-Regime sichtbar macht und zugleich nach Kontinuitäten von Antisemitismus und Rassismus in der Gegenwart fragt.
Gerade der Fußball erreicht Menschen über Generationen, Milieus und gesellschaftliche Hintergründe hinweg. Darin liegt sein besonderes Potenzial für die Erinnerungskultur: Er eröffnet Zugänge zu historisch-politischer Bildung auch für diejenigen, die von klassischen Formaten oft nicht erreicht werden. Die Wanderausstellung „SPORT. MASSE. MACHT.“ schafft damit einen Raum für historisches Lernen, gesellschaftliche Reflexion und aktuelle Debatten über Verantwortung im Sport.